Vom Milchdieb zum Schmetterling

Die wissenschaftliche Bezeichnung für den Schmetterling lautet Lepidoptera und kommt aus dem Griechischen und setzt sich aus den Worten "Schuppe" und "Flügel" zusammen. Im Deutschen leitet sich die Bezeichnung "Schmetterling" aus dem ostmitteldeutschen Wort Schmetten ab, was soviel wie Rahm oder Schmand bedeutet. Einige Insektenarten zeigen eine große Vorliebe für diese Milchprodukte und so setzte sich die etymologische Bedeutung des "Milchdiebes" oder "Molkenstehlers" vor rund 500 Jahren durch.


Auch das englische Wort "Butterfly" deutet auf diese sprachliche Herkunft hin. Im 18. Jahrhundert erfuhr die Entomologie einen starken Aufschwung und der Begriff "Schmetterling" setzte sich immer mehr durch. Sprachlich wurde davor noch zwischen "Tagvögeln" (Tagfaltern) und "Nachvögeln" (Nachtfaltern) unterschieden.

Inspiration für Kunst & Kultur

Hatten Sie schon einmal "Schmetterlinge im Bauch"? Wissen Sie was der "Schmetterlingseffekt" beschreibt? Schwimmen Sie vielleicht gerne im "Schmetterlingsstil" oder sind Sie etwa ein Fan von Pucchinis Oper "Madame Butterfly"?


Der Schmetterling ist seit jeher eine Inspirationsquelle für Kunst & Kultur, Sprache & Sport. Die Metamorphose des Schmetterlings von der "nimmersatten" Raupe zum wunderschönen und filigranen Falter, die oft farbenfrohen Arten des Mimikry und die zarten und lautlosen Bewegungen in der Luft haben die Menschheit seit jeher fasziniert und so überrascht es nicht, dass der Schmetterling seit Jahrtausenden eine wichtige mythologische Rolle in vielen Kulturen spielt.

Die Metamorphose ist in vielen Kulturen und Religionen Sinnbild für die Unsterblichkeit, Auferstehung und Wiedergeburt. Der Schmetterling als Symbol der unsterblichen Seele ist in der griechischen und römischen Mythologie zu finden und wurde auch in ägyptischen Grabmalereien verewigt. Und auch im Christentum ist der Schmetterling als Puppe und Falter auf zahlreichen Grabsteinen zu finden, wo er die Auferstehung repräsentiert. In Asien wird der Schmetterling oft mit Unglück und Tod assoziiert, steht aber auch für den Neubeginn.


Mimikry - die Kunst der Täuschung


Schmetterling haben im Laufe der Evolution erstaunliche Anpassungen an ihre natürliche Umgebung und Feinde entwickelt. Auf den Flügeln finden sich vielfach Zeichnungen, die wie tote Blätter (z.B. Indischer Blattschmetterling) oder Tieraugen (z.B. Tagpfauenauge) aussehen. Diese vielfältigen Farbmuster dienen der Tarnung oder machen im Gegenteil auf den Schmetterling aufmerksam. Eine auffällige Färbung warnt vor einer (vermeintlichen) Giftigkeit oder ein an sich harmloser Falter ähnelt zum Verwechseln einer Hornisse (Hornissen-Glasflügler). Darüber hinaus locken die Farben und Zeichnungen auch potenzielle Geschlechtsparter an.

Schmetterlinge und der Mensch

Schmetterlinge haben die Menschheit seit jeher inspiriert und fasziniert, wie unzählige Kunstwerke und Kulturgüter beweisen. Aber Schmetterlinge haben auch die Wirtschaftsgeschichte maßgeblich beeinflusst durch ein allseits beliebtes Luxusgut: der Seide. Die meisten Nachtfalterraupen spinnen Seiden für ihren Kokon, einige Arten jedoch liefern hochwertigste Fasern, unter ihnen Vertreter der Familien Saturnidae (Augenspinner) und Bombycideae (Seidenspinner). Seide kommt ursprünglich aus China, wo sie schon seit rund 5.000 Jahren bekannt ist und über die berühmte Seidenstraße nach Europa gelang. China zählt nach wie vor zu den größten Seidenproduzenten, aber die Raupen zur Gewinnung werden heute auch in Japan, Indien und Südeuropa gezüchtet.  


Schmetterlingsraupen können aber auch als Schädlinge auftreten und durch den Raupenfraß an den Blättern große Kulturschäden in der Landwirtschaft und an Forstkulturen anrichten. In Europa stellte hier beispielsweise der Große und Kleine Kohlweißling eine große Gefahr für Kohlfelder dar. Neu in Österreich ist der Buchsbaumzünsler, ein ostasiatischer Kleinschmetterling, der erstmals 2009 in Österreich gesichtet wurde und große Schäden an Buchsbäumen verursachen kann.


Einige wenige Schmetterlingsarten ernähren sich ganz oder teilweise von Exkrementen, Urin, Schweiß, Blut und Tränenflüssigkeit und können so auch zum Krankheitsüberträger werden. Diese Arten sind aber ausgesprochen selten und kommen ausschließlich in den Subtropen vor. 

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